Das Alt-Katholische Seminar bietet in Kooperation mit der Philosophischen Fakultät die Möglichkeit, im Fach „Religionstheorie, interkonfessioneller und interreligiöser Dialog“ ein Promotionsstudium zu absolvieren.
Im Rahmen der Promotion verfassen unsere Doktorand*innen eine Dissertation – eine wissenschaftliche Arbeit, die einen selbständigen und beachtlichen Beitrag zur theologischen Forschung darstellt. In einer mündlichen Prüfung stellen sie unter Beweis, dass sie über die einschlägige Theorie- und Methodenkompetenz verfügen und auch in fachübergreifendem Bezug anwenden können. Hierfür bekommen sie den höchsten akademischen Grad verliehen, den Doktor (Dr. phil.).
Hier erhalten Sie Informationen zum Promotionsstudiengang und zur Promotionsordnung.
Aktuelle Projekte:
Jenseits bilateraler Kirchengemeinschaft: Die evangelisch-katholische Identität der einen Kirche im Geflecht anglikanischer, lutherischer und alt-katholischer Vereinbarungen (David Birkman)
Anglikanische, lutherische und altkatholische Kirchen stehen durch die Vereinbarungen von Bonn (1931), Porvoo (1992–96) und Utrecht–Uppsala (2013/2016) paarweise in voller Kirchengemeinschaft – doch diese bleibt nicht-transitiv: Die bilateralen Beziehungen summieren sich nicht zu einer Gemeinschaft. Das Dissertationsprojekt untersucht, unter welchen doktrinalen, sakramentalen und kanonischen Bedingungen diese bilaterale Form überschritten werden kann. Die These: In allen Vereinbarungen ist eine gemeinsame evangelisch-katholische Identität der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche latent, die nicht neu verhandelt, sondern gemeinsam entdeckt und bekannt werden kann. Die nordamerikanischen Vereinbarungen, insbesondere das Memorandum of Mutual Recognition (2018), dienen als Testfälle. Angestrebt wird ein Modellprotokoll plurilateraler Rezeption.
Hyperbolische Wahrheitsansprüche? Eine phänomenologische Untersuchung über die Möglichkeiten und die Tragweite der Wahrheitsansprüche in der religiösen Überschusserfahrung (Juraj Sücker)
Das Projekt fragt phänomenologisch, ob und wie der religiöse Wahrheitsanspruch bereits in der religiösen „Überschusserfahrung“ selbst konstituiert wird – eine Frage, die philosophische Phänomenologien meist ausblenden und die Fundamentaltheologie nur als Metareflexion behandelt. Im kritischen Gespräch mit Marion, Waldenfels und Husserl soll gezeigt werden, dass hinter der Religion ein ursprünglicher Wahrheitsanspruch steht, der sich über verschiedene Vermittlungsstufen (deren hermeneutische Probleme über Ricoeur eingeholt werden) zu konkreten religiösen Wahrheitsansprüchen transformiert. So setzt die Arbeit an einer sowohl phänomenologisch als auch theologisch angelegten Spannung zwischen unbedingtem Anspruch und zeitlich-bedingter Gestalt an und gewinnt daraus eine neuartige, interdisziplinäre Problemstellung. Zugleich könnte sie fundamentalistische und totalitaristische Missverständnisse des Wahrheitsanspruchs aus dem Begriff der Religion selbst heraus kritisierbar machen.

