![]() Franz Heinrich Reusch (1825-1900) ![]() Werner Küppers (1905-1980) |
Nach dem Ersten Vatikanischen Konzil, das 1870
die Lehrunfehlbarkeit und den universellen Jurisdiktionsprimat des
Papstes verkündet hatte, weigerten sich die Professoren der Bonner
Katholisch-Theologischen Fakultät mehrheitlich, die neuen Dogmen zu
akzeptieren. So wurde Bonn ab 1873 zur Ausbildungsstätte für Theologen,
die sich auf den Dienst in der alt-katholischen Kirche vorbereiteten. Bernhard Josef Hilgers (1803-1874) lehrte Praktische Theologie, Andreas Menzel (1815-1886) Dogmatik, Franz Heinrich Reusch
(1825-1900) Altes Testament und Joseph Langen (1837-1901) Neues
Testament. Der Kirchengeschichtler Johann Heinrich Floß (1819-1881) blieb zunächst der einzige
Ordinarius, der die Vatikanischen Dogmen anerkannt hatte. Ab 1880 verschoben sich die Gewichte jedoch zuungunsten der Alt-Katholiken. Die Regierung berief drei römisch-katholische Theologen an die Fakultät, ab 1887 stellte sie zudem Ersatzprofessuren für die noch von Alt-Katholiken besetzten Lehrstühle zur Verfügung; alt-katholische Neubesetzungen gab es nicht mehr. Von Ende der achtziger Jahre an war es daher nicht mehr möglich, ausschließlich bei alt-katholischen Professoren zu studieren. Trotzdem blieb Bonn selbst für alt-katholische Studenten aus dem Ausland attraktiv; kontinuierlich war auch eine gewisse Zahl orthodoxer Studenten eingeschrieben. Sie ergänzten ihr Studium, indem sie Veranstaltungen bei evangelischen und später im Einzelfall auch bei römisch-katholischen Dozenten belegten. Hinzukam das Lehrangebot des 1887 gegründeten Bischöflichen Konviktes. Faktisch erhielt damit das Studium schon damals jene Struktur und ökumenische Ausrichtung, die auch heute für den alt-katholischen Studiengang charakteristisch ist. Nachdem 1900 mit Reusch und 1901 mit Langen die letzten alt-katholischen Ordinarien verstorben waren, stellte sich die Frage, wie die akademische Ausbildung alt-katholischer Theologen künftig gesichert werden könne. Sie allein auf das Bischöfliche Konvikt zu beschränken, wäre mit dem wissenschaftsorientierten Theologieverständnis der Alt-Katholiken kaum vereinbar gewesen. So richtete die Regierung 1902 an der Philosophischen Fakultät eine "Seminar für philosophische Propädeutik" ein, das mit einer außerordentlichen Professur und einer Assistentenstelle ausgestattet war und, trotz seines auch politischen Rücksichten geschuldeten Namens, der Ausbildung alt-katholischer Geistlicher dienen sollte. Die Professur wurde mit Leopold Karl Goetz (1868-1931) besetzt, der später allerdings weniger als Theologe, sondern durch seine slavistischen Forschungen bekannt wurde. |